Darum bin ich meinen Hatern dankbar

Trotz vieler Verletzungen, bin ich heute glücklich. Oder gerade deswegen?

Was Muddiandmore dank falscher Frösche, fiesen Chefs und andere Begegnungen der dritten Art gelernt hat

In meinem Leben gab es immer wieder Menschen, die an mich glaubten. Mir den Rücken frei hielten und mich immer wieder auffingen und motivierten. Und dann gibt es noch die Sorte Mensch, die das nicht tat. Menschen, die mich bremsten. Mich runterzogen und mir das Herz brachen. Solche Begegnungen können sehr schmerzhaft sein. Denn tief in uns drinnen wollen wir doch alle nur geliebt, bestärkt und bejaht werden, oder etwa nicht? Warum ich trotz allem nicht auf die Hater in meinem Verzichten will, und was ich von Ihnen gelernt habe, schildere ich hier.

Der Lehrer

In den 90ern gab es in Niedersachsen noch die Orientierungsstufe. Dort entschied der Klassenlehrer in der 5./6. Klasse, welches die geeignetste weiterführende Schule war. Er oder Sie sprach eine entsprechende Empfehlung aus und dieses Wort war dann meist Programm. Schließlich konnten die Fachpädagogen am besten einschätzen, welches Niveau die eigene schulische Leistung besaß. Und mein Klassenlehrer sah damals meinen weiterführenden Weg eindeutig in der Realschule.“ Im Gymnasium würdest Du nicht mitkommen“, erklärte er mir.

Gymnasium? Yes, I can!

Mit seiner Realschul-Empfehlung meinte er es also eigentlich nur gut. Oder etwa nicht? Meine Reaktion darauf: ein noch recht unbekanntes Gefühl namens TROTZ. Denn auf dem Gymnasium mithalten zu können, traute ich mir sehr wohl zu.  Und das sowohl ich seit jeher eine riesige Ehrfurcht vor Autoritäten hatte. Doch ich kannte mich besser als dieser Lehrer und wollte es auf so einer Schule versuchen. Schon allein, um diesen Herren zu zeigen, dass er sich geirrt hatte. Und ich eben doch dort hingehörte. Das Ergebnis? In ersten Jahren war es wirklich schwer. Im Prinzip war es ein permanenter Kampf gegen die Naturwissenschaften. Doch 2003 hatte ich dann tatsächlich mein Abi in der Tasche.  Und bis heute bin fest ich davon überzeugt, dass die Ein- bzw. Abschätzung meines Lehrers zu dieser Leistung beigetragen hat.

Der Herzensbrecher

Mädels, Ihr wisst, von wem ich spreche, oder? Ich spreche von dem Mann, der einem mehr Energie genommen als gegeben hat. Der Mann, der einen mit den Worten „Du bist einfach zu gut für mich“ auf nette Weise abserviert hat. Statt einfach zuzugeben, dass er andere Frauen toller findet. Der Mann, der mit seiner Karriere verheiratet ist und für den ICH wichtiger ist als WIR. Derjenige, der sich weiter mit Dir treffen wollte, aber bitte ohne diesen ganzen Verbindlichkeitskrams wie Treue und festgelegten Beziehungsstatus. Genau dieser Archetyp „Mann“ hat mir gezeigt, dass ich besser allein statt unglücklich liiert bin. Viel wichtiger noch: Er hat mich zum Nachdenken gebracht. Plötzlich fragte ich mich: Liegt es vielleicht nicht nur an den Männern, sondern auch an mir, dass ich nur Herzschmerz kenne? Beziehungsweise meinem männlichen Beuteschema?

Denn: Es einfach mal mit dem netten Typen von nebenan zu probieren und eigene Denkmuster in Frage zu stellen, kam mir lange Zeit nicht in den Sinn. Viel spannender fand ich es dann doch, Beziehungen, die nicht passten, auf Biegen und Brechen zurecht zu zuckeln. Zum Glück habe ich irgendwann die Kurve gekriegt. Und es mit einem netten Mann probiert. Heute sind wir glücklich verheiratet. Und ich weiß diesen liebevollen, zugewandten, herzlichen Partner jeden Tag zu schätzen.  Auch weil ich weiß, dass es auch ganz anders laufen kann.

Der Chef

Es heißt ja oft, dass das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber eine Beziehung auf Augenhöhe sei. Schließlich herrscht ja Fachkräftemangel. Und dann gibt es ja noch den demographischen Wandel, der zur Attraktivität der Arbeitnehmer beiträgt. Doch ist das wirklich so? Ich jedenfalls habe dies in Zeiten befristeter Verträge und prekärer Beschäftigungserlebnisse sowie systematischer Aufweichung von Arbeitnehmerrechten ein bisschen anders erlebt.

Unter (Arbeits-)Druck entstehen keine Diamanten

So wurde mir bei einem meiner ersten Jobs, die Praktikantin an die Fersen geheftet. Verbunden mit dem klaren Hinweis, dass sie meine Aufgaben ja noch besser erledigen würde als ich – und mein Stuhl schon halb zersägt sei.  Gleichzeitig wurden meine Aufgaben an einen externen Mitarbeiter vergeben, der grundsätzlich viel mehr auf dem Kasten hatte. Auch, wenn er genau exakt dasselbe Ergebnis lieferte. Wobei er den klaren Vorteil besaß, ein Darsteller-Typ zu sein. Sich und seine Talente also perfekt in Szene zu setzen wusste und dadurch auch viiiiiel besser beim Chef ankam. Bei dem anderen Job sollte es um die soziale Sache gehen. Nur für die Mitarbeiter galt dies nicht. Das Motto lautete eher: viel Arbeiten für ganz wenig Geld. Und nachdem meinem Sechs-Monats-Vertrag ein Dreimonatsvertrag folgte, war ich diese Form der prekären Beschäftigung dann leid.

Arbeit, Arbeit über alles? Nö!

Natürlich habe ich auch Vorgesetzte erlebt, die einen gleichermaßen fördern und fordern. Die sich Kritik zu Herzen nahmen und einen wertschätzten. Doch das war leider eher selten. Trotzdem habe ich viel von den verschiedenen Chef-Typen gelernt. Ich weiß heute mehr denn je, was ich will und nicht will. Und habe mich auch innerlich von dieser „Arbeit-Arbeit-über-alles-Welt“ distanziert. Und den Fokus auf das gelegt, was mir seit klein auf wichtig war: Meine Familie und meine Freunde.

Vielleicht kommen diese Begegnungen jetzt sehr episodenhaft und locker-flockig daher. Doch natürlich war es ein langer Prozess bis ich zu dem Punkt kam, all diesen Menschen zu danken. Für die mir in den Weg gelegten Steine. Und ja, einige Wunden und Verletzungen wirken bis heute nach. Zuweilen reißen sie auf oder sind immer noch am Abheilen. Trotzdem wäre ich heute nicht die, die ich bin – ohne all diese Erfahrungen. Und auch, wenn es abgedroschen klingt: All diese Begegnungen haben mich tatsächlich stärker gemacht. Mich wachsen und reifen lassen. Vor allem, weil es neben diesen einzelnen Personen so viel mehr Menschen gab, die mir Halt gaben und unendlich viel Liebe schenkten. Und dafür bin ich jeden Tag dankbar.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Hatern gemacht und wie geht Ihr damit um? Schreibt es mir gerne unten in die Kommentarspalte.

 

Folgt mir auf:

4 Gedanken zu „Darum bin ich meinen Hatern dankbar“

  1. Meine Erfahrung mit Hatern: Sie “hassen” sich meist selbst bzw. “beißen” aus Unsicherheit, im Prinzip ein ähnliches Verhaltensmuster wie das eines Narzissten…Wenn man in die Offensive geht, sind sie schnell ent-larvt…(ist auch als Wortspiel gemeint…).Wie heißt es doch so schön: “Neid und Anerkennung verdient man sich”, “Mitleid “kriegt man umsonst…

    1. Da hast Du auf jeden Fall Recht. Ich habe mich wirklich oft gefragt, wie ich mich “optimieren” kann, damit einiges besser läuft. Dass mein Gegenüber an sich arbeiten müsste, hatte ich echt lange nicht auf dem Schirm.. So langsam macht es aber “klick” (:

  2. Toller Artikel und super Sichtweise! Jede einzelne Erfahrung im Leben macht uns zu dem, der wir heute sind! Und Hater können einen tatsächlich anspornen, diese Erfahrung habe ich auch schon gemacht! Du hast es wieder klasse auf den Punkt gebracht!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.